Konstruktion
Wann
Hadrian den Bau des Pantheon in Angriff nahm, wissen wir aus den Ziegelstempeln,
die zeigen, wann und von wem die Ziegelsteine hergestellt wurden. Die
meisten stammen aus dem Jahr125 n. Chr., was darauf hindeutet, dass Agrippa,
der Schwiegersohn des Augustus, in der Inschrift über dem Portikus
wohl nur ehrenhalber erwähnt wurde. Denn an dieser Stelle standen
zuvor bereits zwei Gebäude, die das Pantheon nun ersetzte. Es war
typisch für Hadrian, dass er nicht sich, sondern Agrippa, der 27
v. Chr. das ursprüngliche Gebäude hatte errichten lassen, das
Verdienst an diesem Bau zusprach: das einzige Bauwerk, das je er mit seinem
eigenen Namen versehen hat, war der Tempel des Divus Trajanus.
Die
Inschrift auf dem Portikus des Pantheon lautet: M. AGRIPPA.L.F.COS.TERTIUM.FECIT,
"Erbaut von Marcus Agrippa, dem Sohn des Lucius und dreimaligen Konuls".
Eine weitere Inschrift in wesentlich kleineren Lettern besagt, dass das
Gebäude 202 n. Chr. von Septimius Severus und Caracalla restauriert
wurde. Die Fassade war ursprünglich im Giebelfeld über dem Portikus
mit Skulpturen ausgestattet. Die Befestigungslöcher, die noch heute
sichtbar sind, deuten darauf hin, dass sich an dieser Stelle möglicherweise
ein gekrönter Adler befand.
Den
Portikus tragen 16 gewaltige monolithische Granitsäulen. Der Bau
besteht aus zwei recht unterschiedlichen Elementen: einem klassischen
Portikus mit rechteckigem Grundriss und einem überkuppelten Rundbau.
Wer das Gebäude durch die traditionelle rechteckige Vorhalle betritt,
ist nicht auf den riesigen runden Innenraum vorbereitet. Selbst wer bereits
häufiger hier war, findet die Weite dieses Raumes mit seiner imposanten
Kuppel und dem Oculus im Zentrum immer wieder beeindruckend. |
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Auf
den ersten Blick vermittelt der Innenraum den Eindruck, als trügen
- wie üblich - die Säulen die Mauerlast, doch bei genauerem
Hinsehen merkt man, dass dies nicht der Fall ist; die tragenden Elemente
sind vielmehr die Wände des Rundbaus, vor allem die dickeren Mauerteile,
die wie massive Pfeiler funktionieren. Acht grosse Entlastungsbögen,
die in die Aussenmauer der Rotunde eingelassen sind, ruhen auf diesen
Pfeilern, ergänzt durch kleinere Bögen, die zusätzlich
die Last der Mauer auffangen. Sie alle bestehen aus backsteinverkleidetem
Beton.
Die
Baumeister passten zudem das Füllmaterial des Betons dem Gebäude
an: In den unteren Bereichen besteht es aus schwerem Gestein und wird
nach oben hin immer leichter. So enthielt der Beton unten schwere Travertin,
darüber ein Gemisch aus Travertin und wesentlich leichterem heimischem
Tuff; es folgte eine Schicht Tuff und Backstein, dann nur Backstein und
schliesslich Bimmsstein. Ein weiteres Mittel zur Gewichtsreduzierung der
Kuppel bestand in der Kassettierung der Decke. Die Kassetten, die als
quadratische Vertiefungen zu erkennen sind, dienten einerseits als Dekoration,
andererseits reduzierten sie die Dicke der Kuppel und somit auch die Last.
Das
Pantheon gilt als Meilenstein der römischen Baukunst, die geprägt
war von dem Bemühen, Beton als Baumaterial einzusetzen und seine
Möglichkeiten auszuloten - zumindest aber ist es ein weiterer, wenngleich
noch besser gelungener Schritt auf diesem Weg, der dem Domitians-Palast
und dem Trajans-Markt folgte.
Innenausstattung
Der
Kontrast der beiden Bauelemente - Portikus und Rotunde - erzielt eine
beeindruckende Wirkung. In dieser Anlage haben wir eine wunderbare Synthese
aus Tradition und Innovation vor uns, ein Wunder an Konstruktionstechnik
und mathematischer Harmonie, die am offenkundigsten in den Abmessungen
des Innenraumes zutage tritt, wo der Architekt für Innenhöhe
und Durchmesser der Kuppel das gleiche Mass wählte (145 römische
Fuss, 43,2 Meter). Eine Kugel von derselben Grösse würde genau
in die Halle passen. die Aussenwände der Rotunde berühren und
bis zum Scheitelpunkt der Kuppel reichen
Die
Marmorverkleidung der Innenwände, die wir heute sehen, ist grösstenteils
eine spätere Ergänzung, sie fügt sich allerdings recht
gut in die allgemeine Intentionen der römischen Architekten. Das
gleiche gilt für die Dekoration des Fussbodens, die aus farbigen,
abwechselnd runden und quadratischen Platten besteht. Das Pantheon vermittelt
uns einen Einblick in ein römisches Gebäude, das mehr oder weniger
im Originalzustand erhalten ist, auch wenn wir uns die ursprüngliche
Vergoldung der Deckendekoration hinzudenken müssen, die die Kuppel
einst hat wirken lassen wie die himmlische Sphäre all jener Götter,
die der Name Pantheon heraufbeschwört.
Der
Oculus
Wenn
man in der grandiosen Rotunde des Pantheon steht, wirft das Licht, das
durch den Oculus ins
Gebäude fällt, einen hellen Kreis in das Kuppelgewölbe,
der sich merklich mit der Drehung der Erde bewegt und im Betrachter ein
Bewusstsein für die kosmischen Kräfte weckt. Wenn es regnet,
gelant das Wasser natürlich ungehindert ins Gebäudeinnere und
rinnt durch die Entwässerungslöcher in das unterirdische Kanalsystem,
das noch aus der Zeit der Antike stammt.
Der
Oculus mit seinem Durchmesser von 8,30 Metern ist, abgesehen von der grossen
zweiflügeligen Eingangstür, die einzige natürliche Lichtquelle
des Gebäudes. Das Dach mit seiner Öffnung dieser Grösse
zu versehen bedeutete eine extrem gewagte technische Leistung. Keine der
früheren Scheitelöffungen in Kuppeln hat diese Weite erreicht.
Noch heute trägt der Oculus die originale Bronzeverkleidung aus römischer
Zeit. Dagegen mussten die ursprünglichen Bronzeplatten, mit denen
die Kuppel aussen gedeckt war, seit der Antike mehrfach erneuert werden;
mittlerweile sind sie aus Blei.
Bis
vor kurzem war es möglich, über die antiken Treppen in den Mauern
auf das Kuppeldach zu steigen. Man ging aussen bis an die Rückseite
des Gebäudes und stieg über die Stufen nach oben, die vom Boden
aus zu sehen sind. Es war ein Erlebnis, sich auf den Bauch zu legen und
durch den Oculus die Menschen im Innenraum klein wie Ameisen zu sehen. |