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Das Pantheon
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Ein grosser Tempel, der unter Hadrian errichtet wurde, war allen Göttern geweiht. Dieses architektonische Meisterwerk gehört zu den besterhaltenen und einflussreichsten Bauwerken der römischen Antike. Es ist so gut erhalten, weil es bereits seit Beginn des 7. Jahrhunderts n. Chr. als Kirche genutzt und daher im Laufe der Jahrhunderte ständig instandgehalten wurde. Das Bauwerk hat zahlreiche Gebäude in Europa und Amerika beeinflusst, besonders das Haus von Thomas Jefferson in Monicello bei Charlottesville, Virginia

Konstruktion

Wann Hadrian den Bau des Pantheon in Angriff nahm, wissen wir aus den Ziegelstempeln, die zeigen, wann und von wem die Ziegelsteine hergestellt wurden. Die meisten stammen aus dem Jahr125 n. Chr., was darauf hindeutet, dass Agrippa, der Schwiegersohn des Augustus, in der Inschrift über dem Portikus wohl nur ehrenhalber erwähnt wurde. Denn an dieser Stelle standen zuvor bereits zwei Gebäude, die das Pantheon nun ersetzte. Es war typisch für Hadrian, dass er nicht sich, sondern Agrippa, der 27 v. Chr. das ursprüngliche Gebäude hatte errichten lassen, das Verdienst an diesem Bau zusprach: das einzige Bauwerk, das je er mit seinem eigenen Namen versehen hat, war der Tempel des Divus Trajanus.

Die Inschrift auf dem Portikus des Pantheon lautet: M. AGRIPPA.L.F.COS.TERTIUM.FECIT, "Erbaut von Marcus Agrippa, dem Sohn des Lucius und dreimaligen Konuls". Eine weitere Inschrift in wesentlich kleineren Lettern besagt, dass das Gebäude 202 n. Chr. von Septimius Severus und Caracalla restauriert wurde. Die Fassade war ursprünglich im Giebelfeld über dem Portikus mit Skulpturen ausgestattet. Die Befestigungslöcher, die noch heute sichtbar sind, deuten darauf hin, dass sich an dieser Stelle möglicherweise ein gekrönter Adler befand.

Den Portikus tragen 16 gewaltige monolithische Granitsäulen. Der Bau besteht aus zwei recht unterschiedlichen Elementen: einem klassischen Portikus mit rechteckigem Grundriss und einem überkuppelten Rundbau. Wer das Gebäude durch die traditionelle rechteckige Vorhalle betritt, ist nicht auf den riesigen runden Innenraum vorbereitet. Selbst wer bereits häufiger hier war, findet die Weite dieses Raumes mit seiner imposanten Kuppel und dem Oculus im Zentrum immer wieder beeindruckend.

Auf den ersten Blick vermittelt der Innenraum den Eindruck, als trügen - wie üblich - die Säulen die Mauerlast, doch bei genauerem Hinsehen merkt man, dass dies nicht der Fall ist; die tragenden Elemente sind vielmehr die Wände des Rundbaus, vor allem die dickeren Mauerteile, die wie massive Pfeiler funktionieren. Acht grosse Entlastungsbögen, die in die Aussenmauer der Rotunde eingelassen sind, ruhen auf diesen Pfeilern, ergänzt durch kleinere Bögen, die zusätzlich die Last der Mauer auffangen. Sie alle bestehen aus backsteinverkleidetem Beton.

Die Baumeister passten zudem das Füllmaterial des Betons dem Gebäude an: In den unteren Bereichen besteht es aus schwerem Gestein und wird nach oben hin immer leichter. So enthielt der Beton unten schwere Travertin, darüber ein Gemisch aus Travertin und wesentlich leichterem heimischem Tuff; es folgte eine Schicht Tuff und Backstein, dann nur Backstein und schliesslich Bimmsstein. Ein weiteres Mittel zur Gewichtsreduzierung der Kuppel bestand in der Kassettierung der Decke. Die Kassetten, die als quadratische Vertiefungen zu erkennen sind, dienten einerseits als Dekoration, andererseits reduzierten sie die Dicke der Kuppel und somit auch die Last.

Das Pantheon gilt als Meilenstein der römischen Baukunst, die geprägt war von dem Bemühen, Beton als Baumaterial einzusetzen und seine Möglichkeiten auszuloten - zumindest aber ist es ein weiterer, wenngleich noch besser gelungener Schritt auf diesem Weg, der dem Domitians-Palast und dem Trajans-Markt folgte.

Innenausstattung

Der Kontrast der beiden Bauelemente - Portikus und Rotunde - erzielt eine beeindruckende Wirkung. In dieser Anlage haben wir eine wunderbare Synthese aus Tradition und Innovation vor uns, ein Wunder an Konstruktionstechnik und mathematischer Harmonie, die am offenkundigsten in den Abmessungen des Innenraumes zutage tritt, wo der Architekt für Innenhöhe und Durchmesser der Kuppel das gleiche Mass wählte (145 römische Fuss, 43,2 Meter). Eine Kugel von derselben Grösse würde genau in die Halle passen. die Aussenwände der Rotunde berühren und bis zum Scheitelpunkt der Kuppel reichen

Die Marmorverkleidung der Innenwände, die wir heute sehen, ist grösstenteils eine spätere Ergänzung, sie fügt sich allerdings recht gut in die allgemeine Intentionen der römischen Architekten. Das gleiche gilt für die Dekoration des Fussbodens, die aus farbigen, abwechselnd runden und quadratischen Platten besteht. Das Pantheon vermittelt uns einen Einblick in ein römisches Gebäude, das mehr oder weniger im Originalzustand erhalten ist, auch wenn wir uns die ursprüngliche Vergoldung der Deckendekoration hinzudenken müssen, die die Kuppel einst hat wirken lassen wie die himmlische Sphäre all jener Götter, die der Name Pantheon heraufbeschwört.

Der Oculus

Wenn man in der grandiosen Rotunde des Pantheon steht, wirft das Licht, das durch den Oculus ins
Gebäude fällt, einen hellen Kreis in das Kuppelgewölbe, der sich merklich mit der Drehung der Erde bewegt und im Betrachter ein Bewusstsein für die kosmischen Kräfte weckt. Wenn es regnet, gelant das Wasser natürlich ungehindert ins Gebäudeinnere und rinnt durch die Entwässerungslöcher in das unterirdische Kanalsystem, das noch aus der Zeit der Antike stammt.

Der Oculus mit seinem Durchmesser von 8,30 Metern ist, abgesehen von der grossen zweiflügeligen Eingangstür, die einzige natürliche Lichtquelle des Gebäudes. Das Dach mit seiner Öffnung dieser Grösse zu versehen bedeutete eine extrem gewagte technische Leistung. Keine der früheren Scheitelöffungen in Kuppeln hat diese Weite erreicht. Noch heute trägt der Oculus die originale Bronzeverkleidung aus römischer Zeit. Dagegen mussten die ursprünglichen Bronzeplatten, mit denen die Kuppel aussen gedeckt war, seit der Antike mehrfach erneuert werden; mittlerweile sind sie aus Blei.

Bis vor kurzem war es möglich, über die antiken Treppen in den Mauern auf das Kuppeldach zu steigen. Man ging aussen bis an die Rückseite des Gebäudes und stieg über die Stufen nach oben, die vom Boden aus zu sehen sind. Es war ein Erlebnis, sich auf den Bauch zu legen und durch den Oculus die Menschen im Innenraum klein wie Ameisen zu sehen.

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